Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Hulagu's Marsch nach Bagdad.

Die Anordnung der verschiedenen Heereskörper, welche vermöge Hulagu's Befehl nun Bagdad von allen Seiten umzingelten, ist eines der schönsten Zeugnisse für Hulagu's grosses Feldherrntalent. Dschurmaghun und Baidschu Nujan, die beiden in den persischen Feldzügen ergrauten Feldherrn, welchen aber seit Hulagu's Eintritt in Persien ihr Standort in Kleinasien angewiesen worden, befehligten den rechten Flügel, der, von Irbil und Mossul heranrückend, über die Brücke von Mossul ging und sich auf der Westseite von Bagdad niederliess. Mit ihnen vereinten sich die Prinzen Bulgha, Kuli, Kotar (der Enkel Batu's) und die persischen Buka Timur und Sundschak Nujan, welche die Strasse von Schehrsor über Dakuk heranzogen. Keitbuka, der Befehlshaber des Vortrabs beim Einmarsche Hulagu's in Persien, mit Kurusun und Ilka kamen mit dem linken Flügel von Seite Luristan's und Chusistan's. Hulagu selbst stand mit dem schweren Gepäcke des ganzen Heeres im Mittelpunkte zu Hamadan und brach in den ersten Tagen des Januars des Jahres tausend zweihundert acht und fünfzig, gerade zwei Jahre nach dem Uebergange über den Oxus, gegen den Tigris über Kermanschahan und Holwan auf. In seinem Geleite die grossen Emire Köke Ilka und Arghunaga, die beiden Bitekdschi (Kanzler) Karakai und Seifeddin, der Staatssekretär Alaeddin Athamülk von Dschuwein, der grosse Geschichtschreiber, und Nassireddin von Tus, der grosse Astronom; jener, um die Thaten und Begebenheiten des Feldzugs zu beschreiben, dieser, um die durch den Lauf der Gestirne angezeigten günstigen Stunden anzugeben; jener die Feder, dieser der Zeitmesser des Feldzugs. Von Esedabad aus sandte Hulagu abermal einen Gesandten nach Bagdad, um den Chalifen zur Uebergabe aufzufordern, und zu Deinewer erschien abermal Ibnol Dschewsi, der Gesandte des Chalifen, mit dem Antrage: die Summen, welche Hulagu aussprechen würde, jährlich in dessen Schatz abzuführen, und mit der Bitte: dass das Heer zurückkehren möge. Hulagu antwortete: Da wir schon so weit gekommen, um den Chalifen zu sehen, wie sollen wir nun umkehren, was nach persönlicher Zusammenkunft geschehen mag. Von Deinewer ging der Marsch über Kuh Girdaa, und am siebenten Tage nach dem Aufbruche von Hamadan ward Kermanschahan geplündert und verheert. Von hier wurden Eilboten abgefertigt, um die Ankunft von Sundschak, Baidschu und Suntai zu beschleunigen; sie warteten zu Takkesrai und brachten als Gefangene den Ibek von Haleb und Seifeddin Melik mit sich, welche sie streifend aufgegriffen. Hulagu schenkte Beiden das Leben und machte sie zu Dienern der Schildwachen[296]. Die Emire wurden, mit schmeichelhaften Beweisen von Gunst und Freigebigkeit überhäuft, zurückgesendet, um auf das Eheste den Uebergang über den Tigris auf der westlichen Seite von Bagdad zu bewerkstelligen. Von dort holten die Verräther des Heeres des Chalifen die beiden Chuaresmier Kara Sankor und Sultandschuk, die Befehlshaber der mongolischen ein; Kiptschak schrieb an den ersten: Du und ich sind von Einem Stamme (Türken); wir haben uns unterworfen und befinden uns gut dabei, thuet desgleichen. Kara Sankor antwortete in dem Sinne des Astronomen Hosameddin: Wie sich ein neu aufgeschossener Zweig, wie die Herrschaft der Mongolen, mit dem schon ein halbes Jahrtausend wurzelnden Stamme des Chalifats messen könne? Wenn sich Hulagu unterwerfen wolle, würde man trachten, durch Vermittelung des Diwitdars den Frieden vom Chalifen zu erwirken. Hulagu, als man ihm dieses Schreiben brachte, lachte darüber und sagte: Meine Hilfe kommt von Gott und nicht vom Gold; wenn er mir hilft, was kümmert mich die Zahl der Heere des Chalifen.

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