Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Gesandtschaften Hulagu's an den Chalifen und Prophezeihungen.

Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch Alkami's Einladung und Nassireddin's Vorhersagung aufgemuntert, von seinem Lager zu Hamadan aus an den Chalifen einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines Hofes, nämlich den Wesir, den kleinen Diwitdar, den Heerführer Suleimanschah oder den Mundschenken sende. Moteaassim, statt diesem befehlartigen Begehren zu willfahren, sandte den Scherefeddin Ibnol Dschewsi, einen durch Beredtsamkeit ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin Mohammed von Nachdschiwan. Hulagu, als er von ihrer Sendung Kunde erhielt, sagte in aufwallendem Zorne: Der Chalife handelt krumm, wie ein Bogen; Gott gebe, dass ich ihn wie ein Pfeil gerad machen könne. Den Gesandten, als sie vor ihm erschienen, herrschte er entgegen: Gott hat dem Hause Tschengischan's die Herrschaft vom Osten bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft, dessen Blut und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn nicht, ist dessen Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem Heer, zahlreich wie Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad. Als die Gesandten mit dieser Botschaft zurückgekehrt, rieth Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend Kameele, tausend Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des Islams: des Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der kleine Diwitdar Modschahiddin Ibek machte Vorstellungen dagegen, aber Ibn Alkami, der die Schwächen und den Dünkel des Chalifen kannte, bestärkte ihn in demselben, indem er in seinen Reden die Macht der Mongolen verkleinerte, die des Chalifen vergrösserte und dem neuaufgeschossenen Pilzlinge mongolischer Herrschaft die uralte legitime des Hauses Abbas entgegenstellte. Suleimanschah, der Oberstbefehlshaber, Fetheddin Ibn Kerr, der grosse Diwitdar und der kleine Modschahiddin Ibek versammelten sich beim Wesire, ihren Aerger über die Sorglosigkeit und Blindheit des Chalifen in bitteren Worten lüftend. Suleimanschah trug sich an, dem Feinde entgegen zu ziehen, und Alkami ging zum Scheine in den Vorschlag ein, wohl wissend, dass der Chalife seinem Rathe folgsam, dass er Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige Geld verweigern werde. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin von Nachdschiwan und den Richter Berdindschan mit geringen Geschenken und der hochtrabenden Botschaft: Alle Fürsten, welche sich jemals wider das Haus Abbas zu erheben gewagt, seien zu Grunde gegangen; Beispiele davon seien Jakub Leis der Soffaride, der Türke Besasiri, der Seldschuke Sultan Mohammed und Mohammed Chuaresmschah, welche Alle das Verderben ereilt, das auch Hulagu's harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe. Hulagu, ergrimmt, antwortete ihnen mit dem persischen Verse des Schahname:

Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall,
Führe Bollwerk auf mit Zinnen,
die von Stahl, Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen,
Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen;
Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen,
Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen.

Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes von Deriteng, d. i. Engthor, welcher über das gordiaische Gebirge oder den Zagros in die Ebene des arabischen Irak führt, zu versichern. Auf steilem Felsen, auf der Heerstrasse vom persischen ins arabische Irak erhebt sich das Schloss in einer engen Schlucht, wovon es den Namen Engthor führt. Die Bewohner dieser Felsenschlucht waren nicht minder durch ihre Schönheit, als das Schloss durch seine Festigkeit berühmt. Dieselbe wird vom Diala durchbrochen, welcher in der Entfernung einiger Stunden oben an den Ruinen von Kassr Schirin (das alte Artemita) vorbeifliesst. Hulagu, dem nicht unbekannt, dass Hosameddin Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über den Chalifen zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit Ehren und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser Disser, d. i. das Goldschloss, Dis Merdsch, d. i. das Wiesenschloss, und einige andere; aber hierdurch übermüthig, sandte Aka an Ssalaje, den Befehlshaber von Irbil, Wort, dass, wenn ihm der Chalife sein Vertrauen schenken wolle, er mit hunderttausend Turkmanen und Kurden den Hulagu zurückzutreiben bereit. Der Chalife gab diesem Vorschlage kein Gehör. Hulagu, der davon Kunde erhalten, sandte den Keitbuka mit dreitausend Reitern mit dem scheinbaren Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des Marsches nach Bagdad zu berathen. Dieser ging in die Falle; Keitbuka, Herr seiner Person, forderte die Schleifung der Schlösser und er ward, nachdem dieselben geschleift waren, getödtet. Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen Astronomen Hosameddin. Um seine Meinung über den Zug wider Bagdad befragt, sagte er unter Verbürgung mit seinem Kopfe, im Falle, dass der Marsch unternommen werde, sieben Unfälle voraus: den Fall von Pferden und Menschen durch Seuchen, Mangel an Sonne und Regen, schreckliche Orkane und Erdbeben, Unfruchtbarkeit und Hungersnoth und endlich den Tod eines grossen Monarchen im selben Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und Bürgschaft schriftlich geben und befragte nun den Astronomen Nassireddin, was denn geschehen würde, wenn er nach Bagdad zöge; Nichts, antwortete Nassireddin, als dass Hulagu die Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute hierauf alle Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge wider Bagdad zu befürchtende Unglücke durch die Anführung geschichtlicher Beispiele. Tahir sei aus Chorasan wider Bagdad gezogen und habe den Bruder des Chalifen erschlagen; Motewekkil und sein Sohn und mehrere Chalifen seien erschlagen worden, ohne dass für die Stadt irgend ein Unheil daraus entstanden. Hulagu ergab sich gern den seinen Wünschen schmeichelnden Versicherungen des Astronomen von Tus; der andere wurde, da keine seiner Prophezeihungen eingetroffen, fünf Jahre hernach hingerichtet.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de