Safiye Ali
Safiye Ali

Aussprache: safiyya bint huyay
arabisch:
صفية علي
persisch: صفیه علی
englisch: Safiye Ali

??? - ??? n.d.H.
2.2.1894 - 5.7.1952 n.Chr.

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Safiye Ali gilt als erste türkische Frauenärztin die in der Türkei praktizierte.

Sie wurde am 2. Februar 1894 in Istanbul geboren. Sie hatte drei älter Schwestern. Ihr Vater Ali Kırat Pascha war einer der persönlichen Gehilfen von Abdülaziz und Abdülhamid II. Ihr Urgroßvater Hadschı Emin Pascha war 17 Jahre lang Scheichulislam der Osmanen in Mekka und  Gründer zahlreicher Schulstiftungen. Safiye Ali verlor ihren Vater in jungen Jahren. Sie wuchs in der Obhut ihres Großvaters Emin Pascha in dessen Villa in Valideçeşme auf. Noch vor ihrer Ausbildung versorgte Safiye Ali Soldaten als Medizingehilfin während der Balkankriege und im Ersten Weltkrieg.

Sie studierte am American College für Mädchen in Istanbul und schloss ihre Schulausbildung im Januar 1916 ab. Sie beschloss Ärztin zu werden zumal ein großer Bedarf an Ärztinnen in der Türkei bestand. Da sie damals als Frau in der Türkei nicht Medizin studieren konnte, reiste sie während des Ersten Weltkrieges mit großen Schwierigkeiten nach Deutschland und studierte an der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg. Safiye Ali, die mit Unterstützung des damaligen Bildungsministers Ahmet Şükrü Bey ein Staatsstipendium erhielt, lernte sehr schnell Deutsch und begann ab 1916 mit dem Studium. Im Zeitraum vom Sommersemester 1916 bis zum Wintersemester 1920/21 hat sie 68 Vorlesungen, Seminare und Praktika belegt. Auch in den Semesterferien bildete sich weiter, indem sie deutschen Ärzten assistierte. Zudem besuchte sie nebenher Vorlesungen in Philosophie und Geschichte.

Das bayerische Bildungsministerium, das zunächst einige Schwierigkeiten bereitete, weil sie Absolventin des American College war, verlieh Safiye Ali später für den ersten Platz im Examen den Titel „Doktorandin“. Ihr Diplom erlangte sie 1921 mit der Arbeit „Innere Pachymeningitis-Blutung bei Säuglingen“. Sie erhielt 1921 den Doktortitel der Universität Würzburg mit ihrer Dissertation Über Pachymeningitis haemorrhagica interna im Säuglingsalter.

Sechs Wochen nach seiner Rückkehr nach Istanbul reiste sie erneut nach Deutschland, um sich auf gynäkologische und pädiatrische Erkrankungen zu spezialisieren. 1923 eröffnete sie ihre eigene Praxis in Istanbul im Stadtviertel Cağaloğlu, die erste von einer ausgebildeten Medizinerin geleitete Praxis der Türkei. Es war die Zeit der letzten Tage des Türkischen Befreiungskrieges. Sie versorgte vor allem Verwundete.

Anfangs blieb der Erfolg ihrer Praxis aus, weil auch die Patienten Vorbehalte gegenüber einer Frau als Ärztin hatten. Nebenbei lehrte sie als Dozentin Frauen Medizin. Sie unterrichtete Gynäkologie und Geburtshilfe an der ersten medizinischen Schule für Mädchen, die als Teil des Robert College für sie eingerichtet worden war. Safiye Ali setzte ihren Kampf für frauen im Ärzteberuf entschlossen fort und veröffentlichte mehrere Bücher.

Während des Studiums in Würzburg hatte sie den Katholiken und Augenarzt Ferdinand Krekeler (1895-1970) kennengelernt. Er zog mit ihr Mitte der 1920er Jahre nach Istanbul. In Istanbul wurde er bekannt als Ferdi Ali obowhl er den Islam nie angenommen hat. Die Heiratsabsicht beider wurde sowohl von der Seite des Islam als auch von der katholischen Kirche nicht anerkannt. Da der Islam nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs zurückgedrängt wurde, übernahmen auch in der Türkei unreligiöse Standesämter die Eheschließeung.

Ihre standesamtlichen Trauung fand in der deutschen Botschaft in Istanbul am 28. November 1924 statt. Vier Jahre später – am 25. Oktober 1928 – erhielten sie eine Sondergenehmigung des Vatikans die kirchliche Trauung im Stift Haug in Würzburg durchführen zu dürfen, ohne dass die Braut den katholischen Glauben ihres Mannes annahm, was ein Novum der damaligen Zeit war.

1929 verließen Safiye Ali und ihr Mann Ferdinand die Türkei und gründeten eigenständige Arztpraxen in Dortmund. Während des Zweiten Weltkriegs verloren sie fünf Mal nach Fliegerangriffen ihre Wohnung und Praxisräume und kamen schließlich in einer Notbehausung des Vinsebecker Grafen Wolff-Metternich zur Gracht auf Gut Wintrup bei Sandebeck unter. Nach dem Krieg unternahmen sie einen neuen Versuch, in der Türkei Fuß zu fassen, was durch die Krankheit Safiyes beendet wurde. Nachdem bei Safiye Ali Krebs diagnostiziert worden war, kehrte das Ehepaar 1948 endgültig zurück nach Dortmund. Am 5. Juli 1952 starb sie im Alter von 58 Jahren in Dortmund.

Zeit ihres Lebens hat sie sich für das gesundde Stillen und die Nutzung von Muttermilch eingesetzt, was in der Zeit teilweise in Frage gestellt worden ist. Indem sie die Überlegenheit der Muttermilch gegenüber jeder anderen Milch betonte, ermutigte Safiye Ali Frauen zum Stillen.

Sie gründete eine Kleinkindpraxis und unterstützte vor allem schwache Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Dabei setzte sie großen Wert auf die Schulung von Müttern und Bewusstseinsbildung. Safiye Ali war in der Frauenunion als Leiterin des Gesundheitskomitees tätig und setzte sich für die Bekämpfung der Prostitution ein. Sie war besorgt über Mädchen, die in die Prostitution getrieben wurden, und begann, an der Eröffnung eines Mädchenwohnheims zur Rettung der Mädchen mitzuwirken..

In Dortmund stiftet die Stadt den „Dr. Safiye Ali Krekeler-Preis für Kindermedizin und –gesundheit“. Dieser wird alle zwei Jahre für herausragende Leistungen der Kindermedizin und Kinderchirurgie sowie die Förderungen der Kindergesundheit verliehen. Mit der Auszeichnung sind ein Preisgeld von 20.000 Euro und eine Festveranstaltung verbunden. Zudem wurde die Safiye-Ali-Straße nach ihr benannt. Nach ihr ist zudem eine Familienklinik in Istanbul benannt.

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